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Mai 31st, 2006

Einer geht an die Börse

Posted by Administrator in FIU der Jugend, Archiv

Eines schönen sonnigen Samstags trafen sich Einer, Keiner und Jeder, vielleicht auch Alle, man weiß es nicht, auf dem Frankfurter Marktplatz. Jeder ging davon aus, dass Keiner einen schlechten Tag gehabt habe. Letztlich war es aber Einer dem es nicht so gut ging. Keiner fragte wieso. Da meinte Einer, dass er nicht so recht wisse was zu tun sei. Einer hat ein Unternehmen, aber ihm fehlt das Geld für Investitionen. Keiner murmelte etwas von Börse vor sich hin, Jeder ging bereitwillig über das hinweg, was Keiner sagte. Aber Einer interessierte sich doch dafür, was Keiner ausgesprochen hatte. Keiner meinte: „Wenn Einer ein Unternehmen hat, das gut läuft, aber nicht genug Kapital hat, sollte er an die Börse gehen, um seine Vermögenswerte liqiud zu machen!“ Sofort war Jeder von der Idee begeistert. Einer überlegte noch eine Weile, schließlich war aber auch er überzeugt. Jeder, Einer und Keiner begossen ihre Idee und gingen in froher Stimmung auseinander.
Monate später ging Einer mit seinem Unternehmen an die Börse. Einer war so gut gelaunt wie Jeder, denn der Ausgabekurs der Aktie war gut und viel flüssiges Geld sollte in die Kassen gespült werden. Anfangs wollte nur Keiner die Aktien kaufen. Einer begann gerade schon sich zu ärgern. Da wurde Jeder darauf aufmerksam, dass Keiner mit seinem Kauf richtig lag, denn der Aktienkurs stieg, obwohl der Dax eigentlich baden gehen war. Jetzt wollte Jeder so viele Aktien wie möglich kaufen, selbst auf Kredit kaufte Jeder noch weiter. Einer freute sich sehr über diesen Aufwärtstrend. Und Keiner war dabei etwas beunruhigt. Schließlich stiegen viele mit ein, eigentlich Alle und der Kurs explodierte. Keiner wollte seine Aktien loswerden, denn Einer hatte gesagt er glaube nicht, dass dieser Anstieg ewig halte. Jeder kaufte weiter und Keiner stieß die Aktien ab.
Nun kam es aber, dass Einer falsch investierte und Jeder ahnte, dass die Bilanz schlecht ausfallen würde. Aber der Kurs stieg weiter, da Alle die Aktien kauften. Jeder wollte noch weiter spekulieren. Keiner war aus dem Geschäft ausgestiegen. Einer gab nun eine Gewinnwarnung heraus, daraufhin gerieten Alle und Jeder in Panik. Alle stießen die Aktien nun ab und Jeder, der auf Kredit gekauft hatte, musste nun schnell verkaufen um nicht die Kreditwürdigkeit zu verspielen. Die Aktie fiel unter den Ausgabekurs. Einer stand nun kurz vor der Insolvenz, machte sich aber nicht viel daraus. Weil Keiner sich wieder in das Unternehmen einkaufen wollte, konnte Einer optimistisch sein, wusste er doch um die Qualität seiner Produkte. Jeder suchte nun nach neuen Spekulationsmöglichkeiten. Keiner blieb seiner Strategie treu. Einer warf nun ein neues Produkt auf den Markt und jemand gab daraufhin eine Kaufempfehlung. Nun stieg Jeder wieder ein, in das Geschäft an das Keiner geglaubt hatte.
So kam es, dass Einer wieder glücklich war, Jeder sich wieder verarschen ließ und am Schluss Keiner einen Gewinn erzielte. Einer musste bald Insolvenz anmelden, da Keiner genug Kapital hatte und keine Aktien mehr wollte.
Als sich Keiner, Jeder und Einer wieder trafen, wollten sie Einen trinken gehen um über die gute alte Zeit zu reden. Nur Keiner konnte die Zeche zahlen. Alle waren genauso pleite wie Einer und Jeder.
Jahre später: Keiner hat mehr Geld als Jeder. Aber da Alle mit Geld nichts mehr anfangen konnten, Einer war so gar schon verhungert, gab Keiner das was er noch hatte her. Aber Jeder hatte nun genausoviel davon wie Keiner. Der Dax war ertrunken, die Börse geschlossen. Jeder ging Angeln. Keiner entschloss sich für die Jagd. Ohne Geld trafen sich Alle, Jeder und Keiner nun, um ihre Beute zu teilen. Einer sah zufrieden von oben zu.

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Mai 31st, 2006

„Der Fremde in der Vorstadtkneipe“

Posted by Administrator in FIU der Jugend, Archiv

Er betrat gegen 13:00 Uhr die kleine Vorstadtkneipe. Er kam jeden Tag hierher. Dennoch wusste er nicht wie die Kneipe eigentlich hieß. Noch nie hatte er sich die Mühe gemacht das schon etwas verblichene und rostige Schild über der Eingangstür zu lesen.
Er ging die vier Stufen hinunter, das Gebäude war nicht ganz ebenerdig, dabei registrierte er mit einem schweifenden Blick die vielen Gäste die bereits da waren. Wie immer Freitags waren fast alle Tische besetzt. Die meisten Gesichter kannte er. Kaum ein Fremder verirrte sich in diese Kneipe, dazu war sie schon lange nicht mehr einladend genug. Begrüßt wurde er nicht, vielleicht ein registrierendes Kopfnicken. Eine persönliche Beziehung verband ihn mit niemandem in diesem Raum. Wobei er auch sonst keine Kontakte pflegte. Er war schon immer ein Einzelgänger gewesen. Er legte keinen Wert auf Unterhaltungen und seine Fragen und Probleme teilte er am liebsten mit sich selbst. Tristesse, Einsamkeit, Anonymität und grimmige Mienen waren die Wahrzeichen der Vorstadt und ebenso sah sein Leben aus. Er war damit zufrieden, zumindest glaubte er dies.
Er ging durch den niedrigen, nur schummrig beleuchteten und durch Rauch vernebelten Raum. Er hatte bei diesem Gang immer das Gefühl der Zeitlosigkeit, denn die Stimmung war zu jeder Tages- und Jahreszeit gleich. Er setzte sich an seinen Stammplatz. Ein kleiner Tisch im hinteren Bereich des Raumes, direkt am Zigarettenautomaten und dem Eingang zu den Toiletten. An diesem Tisch stand immer nur ein Stuhl und immer war er für ihn frei. Er war einer jener Menschen die gerne die anderen beobachten und sich dabei selbst im Hintergrund halten. Er hatte hier einen guten Überblick. Sah die Gäste an der Bar, genauso wie jene an den Tischen und er fand auch immer wieder Gefallen daran zu beobachten wie die Biertrinker, die zu lange sitzengeblieben waren, mit eingeschränkten motorischen Fähigkeiten, zur Toilette eilten. Außerdem hatte er es sich mit der Zeit zur Angewohnheit gemacht, die Flüche aufzuschreiben die er immer wieder hörte, wenn der Zigarettenautomat die Münzen der Gäste verschluckte. Auch heute folgte er seinem Ritual und holte, noch bevor er den Mantel ablegte, seinen kleinen Block und den alten Füllfederhalter aus der Tasche.
Ohne dass er bestellt hatte, brachte ihm die Kellnerin sein Pils, einen doppelten Korn und die Gulaschsuppe die er immer zu essen pflegte. Er aß langsam und dennoch ohne Genuß. Essen war für ihn immer nur eine lästige Pflicht. Genießen konnte er nur das Trinken. Womit er jeden Nachmittag verbrachte.
Gegen 20:00 Uhr pflegte er zu gehen. Sein Schritt war dabei nicht immer ganz sicher, aber er war auch nie so betrunken, dass er sich nicht mehr unter Kontrolle gehabt hätte. So verließ er auch heute die Kneipe nachdem die Rechnung bezahlt, das Trinkgeld gegeben, Blase und Darm entleert waren.
Zuhause noch frisches Wasser und etwas Futter für seinen Papageien, die einzige Gesellschaft die er hatte. Eine Stunde Fernsehen, egal was. Dann zu Bett. Freitagabende waren immer schlechte Abende, denn er wusste nie was er mit seiner Freizeit anfangen sollte. Meist verbrachte er seine Wochenenden damit sämtliche Wochenendausgaben der Zeitungen zu lesen, oder einfach damit die Zeiger der Uhr zu beobachten.
Montag nach der Arbeit, 13:00 Uhr, stieg er wieder die vier Stufen hinab, ließ seinen Blick schweifen und ging durch den Raum. Rauch und schummriges Licht. Da saß ein Mann. Da saß ein Mann an seinem Tisch! Dieser Mann hatte einen zweiten Stuhl an den Tisch gezogen. Er hielt inne als er den Mann sah. Sein fragender Blick wurde von der Kellnerin lediglich mit einem Schulterzucken beantwortet. Er ging weiter. Grüßte den Fremden nicht. Doch als er seinen Block und seinen Stift auf den Tisch legte, stand der Fremde auf, den Hut tief in die Stirn gezogen, und ging ohne ein Wort zu sagen. Sein Schritt schien unsicher und die ganze Körperhaltung hatte etwas Tastendes an sich.
Gulaschsuppe, Korn und Pils blieben unberührt auf dem Tisch stehen. Etwas stiftete tiefe Verwirrung in ihm. Hinter ihm schlug ein Gast, unter lauten Flüchen, auf den Zigarettenautomaten ein. Er schrieb nicht mit. Was war das? Da in seinem Inneren. Da war etwas, was er nicht kannte. Er wollte reden. Nein, er wollte mit diesem Fremden reden. Diesen Menschen kennenlernen. Er zahlte und ging.
Dienstag. Der selbe Rauch. Das selbe Licht. Vier Stufen und der schweifende Blick. Nicht lange diesmal. Der Fremde war wieder da. Wieder saß er auf dem zweiten Stuhl der nicht an den Tisch gehörte. Den Hut tief im Gesicht. Den Mantel um die Schultern gelegt. Er ging zu seinem Tisch. Stift und Block blieben in der Tasche. Er wollte beginnen zu sprechen, aber wusste nicht wie. Der Fremde reagierte nicht.
„Hallo. Mein Name ist Alfred. Sie sitzen an meinem Tisch!“ Stammelte er schließlich unbeholfen. Der Fremde murmelte ein paar unverständliche Worte, stand auf und ging. Alfred fiel auf, dass sich die Körperhaltung gewandelt hatte, der Fremde verließ die Kneipe mit sicherem Schritt. Alfred ging seinem Ritual nach. Aber er war innerlich sehr erregt und er freute sich auf den nächsten Tag, in der Hoffnung, dass der Fremde wieder da sei. Dass seine Worte nicht eben dazu angetan waren den Fremden zur Wiederkehr zu bewegen, kam ihm nicht in den Sinn.
Mittwoch. Er war wieder da. Alfred wollte den Fremden nach seinem Namen fragen, doch dieser stand schon bevor Alfred sprechen konnte. „Haben Sie denn keinen Augenblick Zeit?“, fragte Alfred, stark erregt. Der Fremde hob den Kopf. Alfred sah zum ersten mal die Augen des Mannes. Ein milchiger Film bedeckte sie. „Nein, mit einem Augenblick kann ich dir nicht dienen.“ Nachdem er dies gesagt hatte, legte der Fremde eine kurze Pause ein. Alfred wusste nichts zu sagen. „Zeit aber habe ich dir genug geschenkt. Du siehst was ich nicht sehen kann, nun wirst du es auch zu fühlen wissen.“ Mit diesen Worten verließ der Fremde die Kneipe. Alfred konnte sehen. Er genoß seiner Augen Blick. Sah sein Leben. Der Fremde war ihm nicht mehr fremd.
Alfred kam kein weiteres Mal in die Kneipe, deren Namen er nie in Erfahrung brachte.

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Mai 31st, 2006

Der erweiterte Kunstbegriff

Posted by Administrator in FIU der Jugend, Archiv

Wie soll ich nun fragen nach diesem Begriff, einem erweiterten Begriff (wo wir doch über die Begriffe schon allzu viel gesprochen haben)? Ein erweiterter Kunstbegriff. Soll ich einfach fragen: was ist damit gemeint? Kann man mir darauf eine Antwort geben? Mir hat noch keiner eine Antwort darauf gegeben was denn Kunst nun eigentlich sei, oder besser: was ist denn Kunst eigentlich? Wo hört die Kunst auf, oder anders, wo fängt die Kunst an? Eine Kunstwerkstatt. Kunsthandwerker, die welche die Kunst anderer kopieren. Sind dies Künstler? Menschen die von Sozialhilfe leben, asozial, antisozial, aber sie nennen sich Künstler. Haben sie die Kunst erweitert, den Begriff erweitert? Der Überlebenskünstler also der auf die Kosten anderer lebt, ein Künstler?
Kunst und Ästhetik. Die Ästhetik des Häßlichen? Was bleibt wenn wir aus unserem Leben die Kunst nehmen? Was aber fehlt, wenn wir sie erst hinzufügen? Brauchen wir die Kunst eigentlich und überhaupt? Benötige ich das Lächeln der Mona Lisa, um die Verwirrungen der menschlichen Mimik bildlich zu begreifen? Was ist eigentlich bildlich? Ein Abbild? Eine Zeichnung? Eine Skizze? Ein Gedicht? Eine Skulptur? Eine Symphonie? Eine Diktatur? Eine Karikatur? Ein Mensch? Ein Tier? Eine Bewegung? Ein Lachen? Eine Arbeit? Ein Lächeln? Ein Blick? Ein Pulsschlag? Eine Synapse? Ein Tropfen Fleisch der vor mir am Himmelsende angekommen ist? Eine Wesenheit? Ein Astralleib? Ein Spruch? Ein Beinhaus? Ein altes Beinhaus? Im? Wo? Im alten Beinhaus war’s.
Sind wir alle Künstler? Sind wir es nicht, wer darf sich dann einen Künstler nennen? Jener der schön malt? (Es ist nicht schön in aller Augen) Jener der die Worte besser als ein andrer setzt? (Sie sind nicht besser, denn sie können doch nur Worte sein) Jener der die Zither schöner klingen lässt, als jener Hirte die Schalmei, mit der er seine Zeit vorüberstreichen lässt? (Ist nicht vielmehr der Hirte Künstler, weil er es doch ist der die Arbeit mit dem Schönen zu verbinden weiß) Ist es wirklich Kunst uns zu verstellen und tragisch auf der Bühne eines andren Schicksals uns zu stellen? Was also bleibt mir nun an Kunst.
Da stehen der vielen Museen große Hallen, viel Schönheit und viel an Eigenart wissen sie in sich zu bergen. Doch muss man sie in Hallen sperren? Die Kunst? Ist nicht mein Finger wenn er übers Blattgold eines alten Stockknaufs fährt, in seiner unschuldig reinen, nur mir gehorchenden Bewegung, seiner eigens komponierten Eleganz des Verweilens und wieder Weitergehens, Kunst genug? Was ist die Wissenschaft? Die des Herzens? Was ist Wissenschaft? Dass Wissen schafft, dies wissen wir, doch wissen wir nicht ob Wissen nur das Gute schafft, zumindest wissentlich. Ist denn die Kunst nur gut? Kann Kunst nicht auch das Böse sein? Ist Kunst nicht Mittel nur um Böses in uns mit farbig glänzend Tüchern, schön zu überhängen? Es ist doch Kunst genug wenn ich mein Leben lebe bis zum Tod, was will man Wunder mehr von mir denn noch verlangen?
Antworte!
Antworten?
Der Fragen stellen sich dir doch genug nun allzu lange. Lass sie nicht hängen in diesem seltsamen Raum.
Nicht seltsam ist der Raum. Er wurde künstlich mir erschaffen. Ich kann in ihm Buchstaben sichtbar machen, die ich zuvor auf einem Brett, welches Buchstaben besitzt, niederramme. Dies Brett aber ist jenem Raum nicht wirklich eigen. Nur eine Schnur verbindet beide. Doch bin ich mir nicht wirklich sicher, ob es Raum ist was ich vor mir habe. Es ist doch nur eine Fläche auf der sich blinkend ein Strich bewegt und wenn ich die Tasten mit der Fingerspitze niederramme, seh ich wie dies blinkend Ding, nach meinem Finger sich bewegt. Doch nicht im Raum will mir der Strich verspringen, nur nach und nach füllt er die Fläche aus, mit Worten. Es ist kein Raum, nur Adso’s Bildschirm, keine Kunst dies Ding zu bauen.
Wer ist Adso?
Adso! Wer ist Adso? Adso ist die Wortmaschine, die meinen Fingern nur gehorcht!
Eine Wortmaschine also. Doch was ist Adso ohne dich?
Adso ist Adso, sein Sein braucht mich nicht.
Ist er nicht nur ein Ding, dass man vor Jahren auf einem Fließband zusammenschraubte, vielleicht noch von Kinderhand, die nicht dem eignen Willen folgte, sondern nur dem Zwang gehorchte, nur dem Instinkt, denn essen wollen alle, eigentlich nur nutzlos, kunstlos?
Nein! Er ist jener, der mir zur Kunst doch erst verhelfen kann und kunstvoll wurde er erschaffen, wie auch der Umstand immer mochte sein, als er im Schicksalsfeuer brannte.
Die Begriffe müssen uns noch ungeklärt verbleiben. Doch stellen wir (die FIU der JUGEND) und damit ich, uns nun der Frage eines erweiterten Begriffes. Eines erweiterten Begriffes der noch dazu schon in der Herkunft aller Ratio spottet und ohne klare Worte der Definition verbleibt und doch war es ein Mensch der sagte, dass dieser Begriff erweitert werden sollte. Der wusste, dass sich mit der Skulptur etwas machen ließe, eine soziale Skulptur, genauso unsichtbar und ungreifbar wie die Begriffe und doch so voll im Fühlen, wenn man fühlen will, gleich dem Begriffe.
Was aber nun kann denn Kunst sein? Vielleicht das Schöne. Vielleicht manifestiert sich Kunst auch aus der Absicht Kunst zu schaffen und dies allein macht aus dem Tun der Hände, Füße, Körper ein Kunstwerk. Nicht schön, nicht wirklich sichtbar, aber Absicht. In Absicht geschaffen, etwas geschaffen was Kunst sein soll, sein muss weil in dieser Absicht entstanden. Oder ist Kunst nur etwas was man in einem Raum zeigen kann, etwas was sich die Leute ansehen und daraus eine gewisse Botschaft erhalten, sich eine gewisse Botschaft in dem Gesehenen erhaltbar machen können. Hört aber Kunst wirklich auf wenn ich mir beim Schreiner einen Fensterrahmen nach Katalog bestelle. Massenware. Ist der Rahmen nicht auch ein Werk, welches aus einem künstlerischen Prozeß, weil schöpferischer Handlung, entstanden ist. Ist nicht schon der Akt der Bestellung, die Wortkommunikation, die ein Resultat hervorbringt und Verständnis schafft, ein Kunstwerk an sich? Der Fensterrahmen lässt sich im Museum unterbringen, nicht aber das Wortspiel welches dem schöpferischen Vorgang doch erst als Ursache voranging, ihn eigentlich erst hervorbrachte, ja erster Akt des Prozesses an sich schon ist („Aber die Ursache liegt in der Zukunft“). Wo also hört Kunst auf? Wann ist es sinnvoll den Begriff zu erweitern?
Ein Zwischenstück: eine kleine Werkstatt in einem Künstlernest in Italien. Überall liegt der Staub von Marmor in der Luft. Riesige Blöcke stehen bereit um geformt zu werden. Eine Werkstatt, sechs Mitarbeiter, vielleicht einer mehr. Man sieht aus einem Block das Gesicht Davids entstehen. Den gibt es aber schon. Der Mann hat sich die Maße genommen und bringt sie nun auf den Stein, in den Stein. Danach steht ein David wie vom Meister selbst gehauen. Aber Kunst ist doch nur das Original? Ein Werk der Kunst ist aber doch auch nicht weniger Kunst als das Kunstwerk. Ist Kunsthandwerk Kunst oder ist Handwerkskunst Kunst? Ist beides Kunst, welcher ist dann Künstler: Michelangelo oder der Mann der im verschlafenen Nest den Marmorriesen kopiert? Es gibt sicherlich einen Unterschied. Aber wem will man das Künstlersein absprechen?
Ein Mensch lebt von dem Geld das der Staat ihm gibt, lebt also von dem Geld das alle ihm geben, denn wir alle sind ja der Staat, noch dazu sind wir ein Sozialstaat, d.h. wir leben in einer solidarischen Gemeinschaft in der jener Unterstüzung der anderen bekommt, der sie nötig hat. Ist dieser Staat ein Kunstwerk? Wer ist hier Künstler? Alle? Es ist doch aber auch eine Kunst diese Form des Zusammenlebens dahingehend zu nutzen, nicht sozial zu sein, die Solidarität der anderen aber dahingehend auszunutzen, dass man selbst leben kann, ohne das Leben anderer mit zu finanzieren. Man kann diese Menschen Sozialschmarotzer nennen, oder Überlebenskünstler. Künstler also, die doch eigentlich ein Kunstwerk zerstören, aber doch auch wieder Künstler sind, auf ihre destruktive Weise. Noch dazu sind ja nicht sie es, welche unser aller Kunstwerk zu Fall bringen, es sind vielmehr die Fundamente die ihre stärkste Verankerung selbst aufzulösen beginnen. Das Gebäude wackelt, aber nicht wegen der Künstler die versuchen einige Säulen zu zerschlagen, sondern wegen der Säulen selbst, die nicht mehr stehen wollen.
Aber die Kunst ist doch eigentlich als ein ästhetisches Vergnügen bekannt. Eine Erfüllung und Bereicherung der Seele, ob als moralische Anstalt, oder als die Bretter die die Welt bedeuten. Was nun ist aber Ästhetik? Es gab Zeiten in welchen man klare Ideale geformt hatte, auch in Bezug auf die Körperformen des Menschen. Diese Ideale hat man bis heute, aber der eine findet die Ästhetik in einem fülligen Menschen, der andere in einem schlanken; die Ideale sind also aufgeweicht, oder zumindest in ihrer Allgemeingültigkeit zerstört worden. Früher wusste jeder was ästhetisch ist und was nicht und jeder versuchte dem Ideal der Ästhetik möglichst nahe zu kommen, eine Kunst es zu verwirklichen und auch Aufgabe der Kunst das Ideal zu verdeutlichen, es darzustellen und in seiner Vollkommenheit sichtbar zu machen. Jetzt aber kann man durchaus auch von der Ästhetik des Häßlichen sprechen, ohne dass man damit gleich Verrat an einem Ideal beginge, oder den Begriff der Ästhetik an einer Stelle verwendet, an die er nicht gehört. Auch das Grauen kann Ästhetik sein, wenn es empfunden wird im Blicke auf jenes was das Grauen herrvorzurufen im Stande ist. Kunst und Ästhetik sind also nicht mehr eng verschmolzen, oder sie sind es immer noch, nur mit der Problematik, dass alles als ästhetisch empfunden werden kann, also auch alles Kunst sein kann.
Fehlt in unserem Leben aber die Kunst, wird das Leben dadurch nicht vernichtet. Kunst zu schaffen und zu genießen ist eigentlich ein Luxus den die Freizeit uns erlaubt. Von Kunst zu leben entspricht also eigentlich nicht den Umständen welche die Kunst zur Enstehung braucht. Den Begriff des Künstlers hört man aber auch immer wieder, in unserer materialistischen Welt, über die Fähigkeit des „Von der Kunst Lebens“ definiert. Es ist also nur der ein Künstler der von seiner Kunst lebt. Hier widerspricht aber die Definition des Künstlers der Tatsache, dass wir die Kunst zum Leben nicht brauchen. Die Kunst kann also weder Broterwerb noch Beruf sein, denn zum Überleben an sich taugt sie nicht und ein Beruf ist sie nicht, da man sie doch eigentlich in der Freizeit anzusiedeln hat.
Nun hallt aber auch noch die These von Tom Tritschel in mir nach, welche besagt, dass Kunst dort entsteht wo wir ein Defizit erleben. Eine künstlerische Handlung also eine Handlung ist, welche der Natur noch etwas hinzufügt, was von uns als fehlend erlebt wird. Kunst wäre demnach alles was die natürliche Daseinsform der Dinge, der Verhältnisse, des Ganges von Werden und Vergehen, verändert. Damit ist Adso auch wieder ein Kunstwerk, denn er entstammt auch aus dem Erleben eines Defizits. Ob er aber auch aus einem solchen in direkter Weise entstand, ist zu bezweifeln.
Dennoch bleibt diese These eine ziemlich sinnvolle, denn wir schaffen die Dinge immer nur aus dem Erleben eines gewissen Defizites heraus. Die Anschaffung von Adso resultiert aus dem Erleben des Fehlens einer praktischen und gut funktionierenden Einrichtung heraus, die mir das Schreiben erleichtert. In kompletter Anschaffung steht aber schon ein fertiges Kunstwerk vor mir, welches ein anderer produziert hat. Die Kunst die ich noch schaffe ist die Rauminstallation, also das Arrangement der Dinge die ich in meinem Zimmer postiere. Die einzelnen Werke stammen aber aus der Hand anderer. Aber auch hier resultiert der Schöpfungsprozeß aus dem Erleben eines defizitären Zustandes heraus, sei es auch das Kind in Taiwan, welches die Einzelteile Adsos gesetzt hat, es tat dies aus dem Erleben eines Defizits, nur handelte es sich dabei wohl eher um das grundsätzliche Bedürfnis etwas zu Essen zu bekommen. Die Frage stellt sich, ob aus dem Überlebensinstinkt geborene Schöpfungsprozesse, noch als künstlerische zu bezeichnen sind. Reduziert man aber das Überleben, auf die Tatsache an sich, so benötigten wir dazu eigentlich nichts eigenständig Schöpferisches, denn die Pflanzen wachsen ohne uns und die Tiere werden auch nicht verschwinden, wenn sie nicht mehr von uns domestiziert sind. Unser Überlebensinstinkt führt uns also eigentlich weniger zu schöpferischen, als vielmehr zu zerstörerischen Tätigkeiten. Das Kind in Taiwan geht aber einer schöpferischen Tätigkeit nach, nutzt also die Möglichkeiten welche ihm durch die Schaffung anderer Kunstwerke geboten werden, um das eigene Überleben durch die Beseitigung der erlebten Defizite anderer, zu sichern. Mag dies auch nur ein umgewandelter Überlebenstrieb sein, so ist er eben doch zu einer schöpferischen Triebfeder geworden. So kann man Kunst durchaus über dieses Erleben definieren, denn wir erleben doch auch an der weißen Wand das etwas fehlt und hängen ein Bild daran, geben ihr eine andere Farbe. Zuerst aber kam das Haus. Davor die Höhle usw. Alles was wir erschaffen entsteht also aus dem Erleben eines Defizits. Definiert man so die Kunst, ist alles Kunst was der Welt vom Menschen hinzugefügt wurde.
Dennoch bleibt ein etwas bitterer Geschmack im Mund. Es fällt uns doch auch sehr künstlerisch an, wenn wir beispielsweise unsere Finger bewegen und dabei das Sehnenspiel unseres Unterarms betrachten. Hier haben wir aber kein Defizit erlebt und beseitigt, wir besitzen diese Kunst naturgegeben. Wie aber ist es möglich als Kunstwerk Künstler zu sein? Oder kann man etwa bestreiten, dass der Mensch ein Kunstwerk ist? Eine geniale Komposition, in der ein Orchester aus allen Bereichen der harmonischen Klänge, in all seiner Vielseitigkeit, zu einheitlicher Harmonie und höchster Funktionalität vereinigt wurde. Ist der Mensch kein Kunstwerk, was dann? Man müsste so folgendem Satz seine Zustimmung geben: Nichts ist Kunst, doch nichts ist alles. Alles ist Kunst denn alles ist nichts und erst daraus entstanden. Ist aber nun alles nichts, müssten wir alles schaffen, aber da wir nicht in der Lage sind aus dem Nichts zu schaffen, können wir uns nicht Künstler nennen, kein Defizit erfahren, denn wo nichts ist ist nichts, so auch kein Defizit, wenn auch alles ist oder alles nichts ist, so ist es doch sinnlos in ein Alles, sei es auch ein Alles aus nichts, nocht ein Etwas-Mehr hinzuzufügen, schon allein aus dem Grund resultierend, dass ein Erleben einer derartigen Notwendigkeit gar nicht möglich ist.
Da ich aber nun wieder bei den Schöpfungsmöglichkeiten des Menschen bin, will ich auch gleich bei einem Gedanken zur Schöpfungsgeschichte bleiben. Die Vorstellung die man im Allgemeinen vom Paradies hat, ist jene dass es dort an nichts fehle, selbst wenn nicht jeder Milch und Honig mag, so geht doch das Versprechen, dass niemandem dort etwas verwehrt bleibe. Adam und Eva sind nun Teil dieses Ganzen. Damit nicht fähig sich selbst zu betrachten. Nicht in der Lage, aber auch nicht in der Notwendigkeit sich als Selbst zu begreifen. Vielleicht auch vergleichbar mit dem Kind im Mutterleib. Erst durch den Sündenfall gelangen die Menschen in die Notwendigkeit ein Begreifen aufzubauen, auch das Begreifen der eigenen Person.
Goethes Mephisto spricht so auch: „Ich bin ein Teil des Teils der anfangs alles war. Ein Teil der Finsternis die sich das Licht gebar“. Mephisto ist eben nur ein Teil des Teils, kein Selbst, kein Ausgestoßener. Noch Teil des Ganzen. Während Faust in der Lage ist nach diesem Ganzen zu Suchen, wenn gleich auch nicht von der Fähigkeit beseelt jenes zu finden was „die Welt im Innersten zusammenhält“. Worauf ich hinaus will: der Mensch hat die Fähigkeit zu begreifen, da er aus der Einheit hinaus verbannt wurde. Diese Fähigkeit ist oft Ursache des Verzweifelns, weil wir unserer Fähigkeit zu begreifen nicht trauen. So ergibt sich im Lauf der Zeit eine Trennung zwischen dem was wir als notwendige Handlung begreifen die unser Überleben sichert und dem was wir als nicht unbedingt notwendig erkennen. Folglich gehen wir heute davon aus, dass die Anfänge der Kunst vielleicht im Erleben eines Defizits angesichts eines Toten liegen, oder dass wir die ersten Künstler in jenen zu sehen haben die Jagdszenen an Höhlenwände malten.
Die Anfänge der Kunst sind aber doch vielmehr dort zu suchen, wo wir versucht haben zu begreifen, die Kunst des Begreifens zu üben. Dies ist allerdings darüber verlorengegangen, dass wir ein Bild von Kunst erschufen, an welches wir den Begriff ketteten und auch all die Begriffe die nun für uns in den Bereich der Kunst gehören und nicht mehr in den Bereich der Lebensnotwendigkeiten und des Zusammenlebens zwischen Menschen. Die Plastik hat für uns auf der Ebene des Sozialen doch eigentlich nicht viel verloren.
Damit wird mir eine Erweiterung dieses Begriffes als anstehende Notwendigkeit klar und auch die Aussage, dass jeder Mensch ein Künstler sei, denn Kunst kann alles sein was wir als solche begreifen. Lernen wir also wieder das Begreifen als Kunst, sind wir alle Künstler und der Begriff Kunst wird erweitert, weil wir lernen wieder mehr als Kunst zu begreifen, da wir uns mehr und mehr öffnen und so eine Erweiterung zulassen. Begreife ich für mich etwas als Kunst, so kann ich in diesem begreifenden Akt, den Begriff der Kunst erweitern. Diese Erweiterung kann also mit Sicherheit noch lange andauern, da wir noch lange brauchen ein künstlerisches Bewußtsein zu entwickeln, welches fähig ist wirklich zu begreifen, die Notwendigkeiten und Banalitäten, das Gegenüber und die Umwelt, als Kunst zu verstehen, zu begreifen und auch sie begrifflich zu machen. Wir können Künstler sein und durch unser Begreifen Kunst schaffen, wir können uns dem aber auch verweigern, was eine Erweiterung verhindert.
Damit könnte man sagen: alles ist Kunst, wenn wir sie nur als solche begreifen. Ich meine aber vielmehr, dass wir nicht sagen: alles ist Kunst. Sondern vielmehr, dass wir ein Begreifen entwickeln, das uns einen Umgang mit den Dingen ermöglicht, wie wir ihn im Umgang mit der Kunst im herkömmlichen Verständnis kennen. Wir also mit der selben Ehrfurcht einem Kieselstein begegnen, mit der wir auch dem David in Florenz gegenüberstehen. Wenn wir dahin kommen unsere Umwelt so zu betrachten wird nicht die Kunst, der David, abgewertet, sondern alles andere wird aufgewertet. Man könnte auch sagen: es wird eine umfassende Kapitalsteigerung vorgenommen, denn „Kunst = Kapital“. Ein solcher Umgang scheint mir das Entstehen einer Wärmeplastik zu ermöglichen und auch der Weg zu sein ein Freiheitswesen, welche wir ja nach dem Sündenfall sind, in eine Ganzheit zurückzuführen und da ich nun auch mit dem Begriff des Sonnenstaates konfrontiert wurde, bin ich geneigt nicht vom Paradies sondern vom Sonnenstaat als Möglichkeit dieser Ganzheit zu sprechen. Es ist also nicht alles Kunst, sondern nur das was wir als Kunst zu begreifen im Stande sind. Können wir alles als Kunst begreifen, so denke ich, ist eine Ganzheit verwirklicht welche eine völlig neue Ebene des menschlichen Daseins offenbart.
Die Welt ist plastische Masse. Was nicht mehr geformt werden muss, sollte als Kunst begriffen werden, was noch zu formen ist, ist plastisches Material für den Künstler Mensch. Dieser Mensch ist jenes Freiheitswesen, welches aus der paradiesischen Ganzheit verstoßen wurde, aber es hat die Möglichkeit sich über das Begreifen eine neue Ganzheit zu schaffen, in welcher es auch den Teilen noch möglich ist sich als Selbst zu begreifen.
Mir selbst erscheinen diese Gedanken noch recht unausgereift und konfus. Dennoch glaube ich ausgedrückt zu haben was ich verstehe, wenn ich vom erweiterten Kunstbegriff höre. Die Möglichkeiten sind aber in einer solchen Vielfalt vorhanden, dass man sich in ihnen leicht verlieren kann, geneigt ist sich etwas zu glauben, was man sich auszusprechen gar nicht im Stande fühlen sollte und am Ende von diesem Strudel in den nächsten gerät. So aber ist meine Sicht der Dinge und Begriffe. Jetzt, denke ich, darf ich mich an Beuys und an das was er mit seinen Begriffen meinte, heranwagen.
Versuchen zu begreifen. Beginnen zu gestalten.

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Mai 31st, 2006

„Der Ball ist rund“

Posted by Administrator in FIU der Jugend, Archiv

Die Sprache gilt und dient heute als Mittel zur Kommunikation schlechthin. Dabei wird immer wieder und schnell vergessen, welch doch enormen Defizite die Sprache, eben als solches Mittel aufweist. Das fängt an bei den Menschen die, ich nenne es einmal, eine unterschiedliche Sprachherkunft haben. Damit meine ich die Sprache als Mittel der Kommunikation zwischen einem Politiker und einem aufgebrachte Jugendlichen, der ohne Lehrstelle dasteht, weil ohne Abschluß von der Schule gegangen. Hier treffen Sprachwelten aufeinander, bei denen schnell deutlich wird, dass eine logische Verständigung über die Sprache nicht möglich ist. Desweiteren stellt sich natürlich auch schnell die Frage, welche Komponenten denn überhaupt zur Sprache gehören damit sie als Kommunikationsmittel dienen kann. Hier zählt nämlich nicht nur die motorische Fähigkeit zur Artikulation bestimmter Vokal und Konsonanten Aneinanderreihungen, sonder auch die Fähigkeit des Gesprächspartners, und dies sollte betont sein, diese abgegebenen Reihen aufzunehmen, überhaupt bereit zu sein für eine solche Aufnahme und letztlich das Verstehen des vom Ersteren Artikulierten. Diese Fähigkeit des Zuhörens geht aber, im Einklang mit dem Nierdergang der herkömmlichen Sprachkultur, mehr und mehr zu Grunde. Die Sprachbarrieren die zusätzlich noch durch die Sprachenvielfalt entstehen, müssen also noch gar nicht berücksichtigt werden um glaubhaft aufzuzeigen, dass die Sprache als Brücke zwischen menschlichen Gedankenwelten durchaus ihre Lücken und Risse hat.
Es steht aber auch die These, welche ich seit einigen Jahren mit Vehemenz zu vertreten versuche, dabei aber in meinem eigenen Gedankengebäude immer wieder auf morsche Balken und unverputze, oder gar schon wieder durchbrochene Mauern stoße, dass die Sprache zur Kommunikation eigentlich völlig untauglich ist, da sich Menschen mittels ihr nicht in einem wirklichen gegenseitigen Begreifen verständigen können. Diese These baut sich auf aus der Aussage über Geschmack lasse sich nicht streiten, weil Salz nunmal salzig ist. Dagegen lässt sich aber, und darunter versteht man auch die Philosophie mit dem Hammer, genau das Gegenteil stellen, indem die Behauptung steht: alles worum wir streiten ist ein Streit um Geschmack und Schmecken. Hier nämlich könnte das Grundproblem der menschlichen Fähigkeit gesehen und gesucht werden, über die Sprache etwas zu artikulieren und auch wieder mittels ihr, eine Lösung auf das zum Ausdruck gebrachte Problem zu finden. Nun aber steht der Begriff „salzig“ für den Geschmack des Salzes. Wir lernen also den Begriff für den Gegenstand Salz, wissen dass es essbar ist und wenn wir es Schmecken, drücken wir die Signale der Geschmacksnerven, in dem Wort „salzig“ aus. Alle wissen was wir meinen, da sie auch das Salz und den dazugehörigen Geschmacksbegriff kennen. Über das salzig könnte man also sagen, lasse sich nicht streiten. Aber es ist doch so, dass wir nur einen Begriff gefunden haben und dem Substantiv ein Adjektiv zur Beschreibung der Eigenschaften zugesellt haben. Eine Aussage darüber zu treffen was wir als Individuum wirklich auf unserer Zunge schmecken, sind wir mittels der Sprache nicht im Stande. So besteht immer die Möglichkeit, dass wir über das Salzige des Salzes reden, aber eigentlich alle von einem ganz anderen Geschmacksgefühl sprechen. Dehnt man die so aufgezeigte Problematik nun auf die ganze Welt der Sprache und ihrer verständlichen Logik aus, muss sie als zur Kommunikation zwischen Mernschen untauglich erscheinen.
So würde sich auch der Niedergang der Sprache und ihrer eigentlich so stolzen, weil nahezu perfekt geformten Klangwelten, erklären lassen. Die Sprache wurde in die Logik gekerkert, das Zuhören wurde verlernt, Unzufriedenheit kommt auf und mit dieser die Erkenntnis, dass wir massive Probleme haben uns wirklich zu verständigen. Die Lösung die dafür parat liegt und mit großem Erfolg betrieben wird, flimmert von mittags bis in den späten Nachmittag über unsere Fernsehbildschirme. Talkshows in denen Probleme diskutiert werden die so konstruiert sind, dass es garantiert zu emotionalen Verstrickungen kommt. Familienzusammenführungen die schon auf der Sprachebene die Tränendrüse zur Arbeit auffordern. Gerichtsshows in denen mit bestechender Logik und kluger Anklageführung, wie auch gut vorbereiteter Verteidigung, am Ende immer überraschend der wahre Täter ermittelt wird. Fortgesetzt wird dann mit den, die ganze große Problemtik dieses „Dings“ das wir Leben nennen erfassenden, Vorabendserien, die uns so quasi perfekt auf unseren eigegen Weg durch dieses Leben vorbereiten. So sieht die Realität der Sprachwelt, wohlgemerkt mehrheitlich aber nicht ganzheitlich, heute aus.
Nichtsdestotrotz rücke ich von meinem Standpunkt der die Sprache als untauglich befindet ab, denn ich glaube, um es hart zu sagen, in diesem Falle habe ich das Vergewaltigungsopfer zum Täter gemacht. Die Sprache bietet uns die Möglichkeit etwas zu sagen, was andere hören. Betrachtet man dies wertungsfrei, ist doch, allein aus Erfahrung sprechend, anzunehmen, dass diese Aussage so dem entspricht was wir erleben. Nun haftet jedem Begriff eine spezielle Prägung an, die immer individuell gestaltet ist. Allerdings heißt dies nicht, dass wir über die Sprache gar nichts wahrheitsgetreues übermitteln können. Es bedeutet viel mehr, dass wir die Sinnlichkeit der Sprache wiederentdecken müssen. Denn, und ich denke das kann mir niemand abstreiten, es passiert uns doch immer wieder, dass wir über etwas sprechen und ein Zuhörer sagt: „genauso geht es mir auch“, oder: „genauso hätte ich das auch gesagt“. Es ist uns also möglich mit unserer eigenen Sprache Worte so zu formen, dass ein anderer sie genauso geformt hätte um etwas auszudrücken. Dabei ist zwar nicht gesagt das die Gefühlswelt wirklich übereinstimmt, wozu die Artikulation kein geigenetes Mittel zur Lösung bieten kann, aber man kann die Sprache neu erfassen. Gar nicht als Kommunikationsmittel wie wir es heute verstehen. Vielmehr möchte ich die Sprache als ein Mittel zur Stimulanz von Gefühlen begreifen. Sicher, wir können diese Gefühle nicht in der Sprache artikulieren, aber auch eine emotionale Bewegung erstellt ein Wirkungsgefüge, welches die Umgebung beeinflußt. Dieses können wir zwar nicht wirklich bewusst bauen, aber wir können über die Sprache versuchen verschiedene emotionale, sagen wir einmal, Schwingungen zu erzeugen. So kennt man doch auch den Ausspruch: „du hast genau den richtigen Ton getroffen“, oder: …genau die richtigen Worte gewählt“. Dabei geht es gar nicht um einen logisch erfassten Inhalt, sondern um die Wirkung und die Veränderung welche diese Worte auf der Gefühlsebene ausgelöst haben. Der Einfachheit halber ein Beispiel vom Fußball: man kann anhand der Ansprache des Trainers ziemlich genau sagen, vorausgesetzt man ist selbst Spieler, wie das Spiel verlaufen wird. Hat der Trainer den richtigen Ton getroffen, gehen alle Spieler motiviert und mit Selbstvertrauen auf den Rasen, nicht einer oder zwei die den Trainer verstanden haben, sondern alle. Vergreift sich der Trainer im Ton, ist das Spiel eigentlich schon verloren. Ein wirklich logisches Erfassen der Worte spielt dabei keine Rolle. Festzustellen ist, dass die Worte hier Ursache sind und die Wirkung ist dann auf dem Rasen zu sehen.
Das Problem des Salzigen lässt sich also tatsächlich nicht lösen, aber nicht weil die Sprache dazu nicht fähig ist, sondern weil wir sie vielzusehr in Logik verpackt haben. Damit ist die Sprache also ein Opfer und nicht eine mit Unfähigkeit behaftete Erfindung. Wir haben versucht die Sprache unter unserem Joch der Logik zu instrumentalisieren, dabei zu spät gemerkt, dass sich die Sprache nicht instrumentalisieren lässt und nun scheitern wir kläglich dabei der Sprache ihre Ursprünglichkeit wiederzuegeben, was wir täglich auf dem Bildschirm bewusst gemacht bekommen. Aber die Sprache hat ihre Ursprünglichkeit nicht ganz verloren nur nehmen wir die Wirkung in den Banalitäten des Alltags nicht mehr wahr, da wir der Sprache die Gefühlswirkung nahezu aberkannt haben. Es gibt aber auch hier ein schönes Beispiel in dem Satz „ich liebe dich“. Die Liebe lässt sich werder mit Worten noch sonst irgendwie wirklich logisch erfassen, geschweige denn vermitteln. Wir wissen aber ganz genau wann wir von uns ehrlich behaupten können, dass wir verliebt sind, ohne zu wissen (in der Logik) was Liebe denn eigentlich ist. Der Satz nun ist ein reines Sprachgebilde, beruht das unbestimmte Gefühl aber auf Gegenseitigkeit und dieser Satz fällt, erzielt er immer eine emotional sehr ausgeprägte Wirkung auf die beiden Gesprächspartner. Ein Satz ist also völlig unverstanden, erzielt aber dennoch eine harmoniesierende Wirkung, an die keine Logik heranreicht.
Sachliche Probleme können also über die Sprache nicht kommuniziert werden, bzw. man sollte diesen Versuch nicht soweit überbewerten wie wir es heute tun. Die Sprache ist mit Sicherheit zweischneidig und man kann über sie einen Termin so ermitteln, dass er gut liegt, gut, und hier die Logik, weil alle Beteiligten zu dieser Zeit nichts anderes zu tun haben. Aber schon hier muss man vorsichtig sein, denn die Zweckentfremdung der Sprache ist schon bei einer solchen Handlung sehr weit Fortgeschritten. Eigentlich sollte ein Termin gar nicht kommuniziert werden, denn wenn sich die Menschen treffen sollen, oder wollen, dann werden sie dies tun, auch ohne Sprache. Die Logik ist auf dem Gebiet des Handelns anzusiedeln, denn hier stehen äußere Ursachen und Wirkungen im Vordergrund. Die Sprache gehört auf das Gebiet der Gefühle, denn sie ist Mittel zum Ausdruck der Innerlichkeit, die auf dem Weg durch die Luft eine andere Innerlichkeit anzuregen im Stande ist.
Soweit steht also diese neue These und wartet darauf als verfehlt erkannt zu werden!

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Mai 31st, 2006

Demonstration gegen den Frieden

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Am Samstag den 07.02.04 versammelten sich auf dem münchener Marienplatz ca. 6000 Menschen um gegen die NATO Sicherheitskonferenz zu demonstrieren.
Da es sich bei der NATO um ein Militärbündnis handelt das noch zu Zeiten des Kalten Krieges als Gegenstück zum Warschauer Pakt ins Leben gerufen wurde, hielt auch ich es für sinnvoll an dieser Demonstration teilzunehmen. Der Glaube, dass es sich im Kern um die Grundsatzfrage handle ob heute ein militärisches Bündnis, das sich auf ein abgegrenztes Gebiet bezieht, noch zeitgemäß sei, wurde allerdings enttäuscht. So wie ich überhaupt an diesem Tag meine Sympathie für die Friedensbewegung verloren habe.
Schon die Auftaktkundgebung war abstoßend. Anstelle von guten Argumenten gegen ein weiteres Aufrüsten, die es durchaus gibt und die sich seit Kant auch leicht erschließen lassen, war nichts weiter in den Reden zu hören als Parolen, die ohne Begründung im bewölkten Himmel über dem Rathaus verhallten. Kein Gedanke wurde zum Ausdruck gebracht. Keine Alternative zu den Kriegen und Friedensmissionen artikuliert. Was die Akteure vermittelten war nur, dass die Politiker allesamt Kriegstreiber sind und die Polizei als die Inkarnation des Bösen auf Erden zu betrachten ist. Schon nach einigen Minuten war klar, dass die Grundhaltung keineswegs der einer Friedensbewegung entspricht. Vielmehr wurden die Autonomen unterstützt, die schon mit einer mehr aggressiven als friedlichen Einstellung den Marienplatz erreichten. Allerdings muss man hier noch sagen, dass das Polizeiaufgebot zur Kritik einlud. Wenn man dann auch noch die Verhaftungen mit einbezieht, die am Vortag stattfanden, kann man die Aufregung einigermaßen nachvollziehen. Aber: gerade die Friedensbewegung sollte es doch sein die das Prinzip von „Gewalt und Gegengewalt“ durchbricht, dazu ist sie aber wohl nicht fähig. Wenn man dann noch die Che Guevara Flaggen mit einbezieht, muss man sich langsam fragen, wo nun eigentlich die stehen die den Einsatz von Gewalt verneinen, denn so schön Che’s Ziele gewesen sein mögen, Menschen die den Frieden wollen, können kaum einen Menschen zu ihrem Idol machen, der mit Sätzen wie „Crear dos, tres, muchos Vietnam“, aufgefallen ist. Schon von Beginn an stimmte also einiges nicht zusammen.
Der Verlauf der Demostration war auch nicht sehr viel positiver. Die Parolen wurden immer dumpfer und all die Individualisten, vereinten sich nun doch zu einer anonymen Masse, die nichts ausszusagen hatte, als dass alles was sich gegen sie richte böse ist: die Polizei, die Menschen die nicht an der Demonstration teilnehmen, die Politiker usw. Es ging nicht mehr um Frieden, sondern nur „dagegen“ egal gegen was.
Es bleibt: nichts. Die Friedensbewegung reiht sich ein in die beschränkte Weltbetrachtung. Auch hier wird polarisiert und nicht gedacht. Auch hier blüht der Fundamentalismus, der einen Frieden grundsätzlich ausschließt. Auch hier sucht man sich seinen Feind. Auch hier schlägt man zurück, wenn man geschlagen wird. Auch hier werden Kriege ausgetragen. Auch hier ist kein Weg zu sehen der Frieden bringen könnte. Auch hier laufen die Menschen mit Scheuklappen durch die Welt. Ohne Bezug zur Realität und ohne einen Blick für sie. Die Friedensbewegung stellt sich als den guten Teil dar, fordert eine gerechte Globalisierung und bleibt am Ende nur „das Gute“. Jenes Gute allerdings, das ohne das Böse nicht existieren kann und so werden diese Friedlichen nur zum Grund der nächsten Kriege, anstatt den Kreislauf zu durchbrechen, das Gedankenschema der Gegensätze zu sprengen, reihen sie sich ein in das System. Hier wird kein Weg zum Frieden aufgezeigt, sondern nur die Verneinung praktiziert. Verneinung wird aber nie Frieden bringen. Dieser Samstag: eine Enttäuschung!

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Mai 31st, 2006

Definition: Frieden

Posted by Administrator in FIU der Jugend, Archiv

Das Ziel des Weltfriedens ist für die westliche Welt mittlerweile so selbstverständlich geworden, wie einst die Weltrevolution für die Kommunisten. es geht dabei um ein Endziel der Menschheit, ist der Frieden erreicht ist die Menschheit am Ziel. Stellt sich nur die Frage. was ist das eigentlich: Frieden?
Es gibt die Versuche Frieden zu definieren, aber daneben gibt es auch Versuche einen Krieg zu rechtfertigen. Frieden kann nur dann sein, wenn Gerechtigkeit herrscht. Gerechtigkeit herrscht, wenn alle Handlungen auf der Welt eine rechtlich legitimierte Grundlage haben. Der Frieden schließt demnach, auch in seinem sogenannten Idealzustand, den Krieg mit ein, vorausgesetzt dieser ist gerecht.
Aber nicht nur das, es stellt sich auch die Frage was eigentlich passiert, wenn die Menschheit in Frieden lebt, egal was nun Frieden genau ist.
Man kann sich die Geschichte von verschiedenen Standorten aus betrachten. Im christlichen Weltbild, beginnt die Geschichte auf dieser Erde mit einem gewaltsamen, um nicht zu sagen kriegerischen Akt. Gabriel schlägt Adam und Eva aus dem Paradies und leitet so die Leidensgeschichte „Menschheit“ ein, der Frieden, also der Idealzustand, bleibt im Paradies zurück und seitdem strebt der Mensch wieder dorthin. Der folgende Brudermord Kains, ist auch nicht eben ein Zeichen dafür, dass es die Menschheit weiterbringt, wenn sie in Frieden zusammenlebt. Vielmehr ist zu beobachten, dass die Menschheit an Kriegn und Gewalt wächst. Die großen Ideale der französischen Revolution, die heute als Basis der Demokratie immer noch Geltung haben, sind mit so viel Blut besudelt, dass sie davon gar nicht reinzuwaschen sind. Aber selbst wenn man diese Betrachtungen beiseite lässt, beginnt die Geschichte der Welt mit Krieg. Theorien gehen so beispielsweise von einem Vernichtungskrieg zwischen Homo Sapiens Sapiens und Neanderthaler aus. Kann man diese Theorie noch nicht beweisen, so finden wir im Gilgmesch Epos doch eindeutige Hinweise darauf, dass die Menschen, spätestens ab dem Zeitpunkt der neolithischen Revolution, also der Zeit der ersten Besitzanspruchserhebungen, nicht mehr friedlich zusammenleben. Im Bezug auf die französische Revolution sei hier nur auf das Recht auf Besitz hingewiesen. Und auch wer sich den Frieden über den Einklang mit der Natur definiert, schließt den Krieg in seine Definition mit ein, denn gerade die Natur ist es die uns das Prinzip der Gewalt vorlebt (naturwissenschaftlich positivistisch nennt sich diese Gewalt „Selektion“). Der Mensch hat es mit seinen Waffen nur perfektioniert (Sich also zum bestimmenden Selektionsfaktor erhoben). In den sozialen Gemeinschaften der Herdentiere, werden alle Probleme über den Kampf gelöst, der mitunter durchaus ein tödliches Ende nehmen kann. Bei Affen ist sogar zu beoachten, dass ein junger Leitaffe, der sich gerade erst die Herrschaft, durch Vertreibung des alten Anführers angeeignet hat, geradezu eine willkürliche Herrschaft beginnt und seine Herdenmitglieder grausamst behandelt. Der Friede mit der Natur, oder in der Natur, ist also nichts weiter als der Friede mit der Gewalt. Der Mensch ist Geschöpf der Natur und in jeder Auseinandersetzung die er mit Gewalt löst, verkörpert er nur das Prinzip der Natur. Man kann nun natürlich immer noch sagen, dass der Mensch eben auf dem Weg zum Frieden ist und deshalb beim Krieg seine Geschichte beginnt. Er hat die Fähigkeit die Grausamkeit der Natur zu erkennen, denn erst der Mensch hat die Natur als grausam klassifiziert. Ob die Prinzipien der Gewalt nun tatsächlich grausam sind, sei dahingestellt.
Zwei Betrachtungen seien gemacht. Der Mensch hat den Krieg als grausam erkannt, ob nun die Griechen, die Römer oder sonst irgendwer. Er versucht also nun den Krieg zu verhindern, was gleichbedeutend ist mit dem Streben nach Frieden. Da aber sehr viele verschiedene Meinungen und Ansprüche aufeinandertreffen, gelingt es bis heute nicht Kriege zu verhindern. Nietzsche weicht diesem Problem aus indem er den Frieden dorthin stellt, wo er auch seinen Übermenschen haben will, nämlich Jenseits von Gut und Böse. Der Übermensch muss in Frieden leben können, bzw. hat nicht mehr die Notwendigkeit sich zu bekriegen, da er die Kommunikationswege hat, die klären können, was das bedeutet: „salzig“ und wer so kommunizieren kann, der kann auch zu allen Themen die richtige Stellungnahme finden und die Vernunft wird die Einheit der Meinungen von vornherein geben. Bis allerdings der Übermensch kommt, wird man mit Kriegen leben müssen, da wir uns nicht verstehn können. Die Bejahung der Umstände wäre so unsere Möglichkeit mit der eigenen Unzulänglichkeit umzugehen. Das beudeutet, dass wir den Krieg als Bestandteil unserer Notwendigkeiten im Sinne des Strebens nach Freiheit, unserem Grundinstinkt, der aber durch institutionelle Verkrüppelung und staatliche Geißel, verkümmert ist zu einem rohen Trieb der sich in Werte gefesselt negativ entlädt, akzeptieren. Ein Schritt in die richtige Richtung, wäre also ein Ablegen des Mitleids, was sich ja wiederum auf einen Frieden anwenden ließe, dabei aber die gleiche Frage aufwirft wie die Menschenrechte, bzw. Huhn und Ei.
Auf der anderen Seite kann man über Hegel klären, was man eigentlich unter Frieden zu verstehen hat. Geht man von seiner Dialektik aus, so muss man sagen, dass heute der Frieden im Allgemeinen als die Synthese aus allem was geschieht zu verstehen ist. Der Frieden wurde also von den Menschen als Endziel des Weltgeistes geschaffen. Dabei ist aber kurz gedacht. Denn Frieden würde nach dem dialektischen Prinzip bedeuten, dass alle Menschen, so weit man vom Weltfrieden ausgeht, die gleiche Asicht haben. Lässt man die Übermenschen These Nietzsches hier beiseite, muss der Mensch einer Maschine gleich werden, die nicht vernichten kann. Wie oben schon beschrieben ist es nämlich offensichtlich, dass ein Wesen mit Istinkt und Bedürfnissen, nicht das Streben nach Frieden besitzt. Der Mensch der in seinem Denken Werte erschaffen hat, die ihn die Synthese des Friedens finden ließen, muss also seine Instinkte beseitigen. Er müsste außerdem noch alle seine Gefühle ausschalten und jeden Bewegungsdrang verlieren. Gibt es die Liebe, kommt auch der Neid. Gibt es Erfolg, kommt auch der Haß. Der Mensch kann seine erschaffene Synthese nur erreichen in dem er sich von diesem Erdball hinwegbegibt.
Hegel und Nietzsche treffen in diesem Punkt (nach meiner Interpretation) also ausnahmsweise einmal aufeinander, denn in beiden Fällen zeigt sich, dass der Mensch zum Frieden nicht fähig ist, zumindest nicht unter den gegebenen Umständen. Das bedeutet für die Definition des Begriffes, dass hier die Gescichte der Menschheit schon lange versucht etwas zu erreichen, was ihrem Wesen widerspricht. Die Notwendigkeit des Friedens entsteht über die Grausamkeit der Gewalt. Der Mensch kennt die Gewalt vor allem aus dem Krieg und hat deshalb das Grundprinzip des Friedens darauf beschränkt, dass es keinen Krieg gibt. Daraus aber nun das Endziel der Menschheit das absolut Erstrebenswerte zu machen ist falsch, was sich wiederum daran zeigt, dass es keine allgemeine Definition dafür gibt was Frieden ist. Der Begriff des Friedens in unserer Sichtweise ist so ein Irrweg der Menschheit, die glaubt dort zu erkennen wo sie noch gar nicht hingesehen hat. Frieden ist mit Inhalten angefüllt worden, ohne dabei die Gesamtheit der Menschen und ihre natürlichen Widrigkeiten in Betracht zu ziehen. Dieser Begriff nun wird als ein Ideal vorgestellt, ist aber irrelevant, da nicht definiert (die Notwendigkeit oder Sinnlosigkeit des Strebens nach Definition sei hier beiseite gelassen) und außerdem der Menschheit wie sie ist völlig widersprechend. Der Mensch braucht den Frieden nicht, weil er mit ihm nicht umgehen kann.
Die Definition lautet also: Frieden ist ein irrelevanter Idealzustand, den sich der Mensch erschaffen hat, in den er das Gute projiziert, ihn nicht jenseits solcher Werte stellt und den er als Synthese aus Thesen und Antithesen des Weltengeistes betrachtet. Es schadet aber nicht ihn mit Waffen zu sichern die ausreichen um den Planeten mehrfach zu vernichten. Der Frieden ist subjektiv, es wird versucht ihn als obejktiv und deshalb allgemeingültig darzustellen, er ist aber letztlich ein Irrlicht für die Menschheit!

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